Dr. Ulrich Strempel
Strempel: Selbst wenn Tegel offen bliebe, was wünschenswert wäre, brauchen wir bessere Anbindung an den Willy-Brandt-Flughafen (Foto: CDU Glienicke)

Die Ortsverbände der CDU in Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn, Hohen Neuendorf, Mühlenbecker Land, Oranienburg, Hennigsdorf und Velten unternehmen eine gemeinsame Initiative zur besseren Anbindung an den Willy-Brandt-Flughafen. Sie greifen damit einen Antrag der S-Bahngemeinden des Kreises vom Sommer/Herbst 2011 zur Verbesserung ihrer Anbindung an den Flughafen auf. Adressat waren der Landkreis als ÖPNV-Aufgabenträger und die Landesregierung als Besteller und Planer des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV).

Standortvorteil entfällt

Denn Verkehrsinfrastruktur ist ein wesentlicher Standortfaktor für Bevölkerung und Wirtschaft. Oberhavel profitierte bisher von der Nähe und schnellen Erreichbarkeit des Flughafens Tegel. Mit der Eröffnung des im Bau befindlichen Willy-Brandt-Flughafens, die bedauerlicherweise nach jetzigem Stand mit der Schließung von Tegel einhergehen soll, entfällt dieser Standortvorteil. Für den motorisierten Individualverkehr wie für den Taxiverkehr sind die Entfernungen zu groß.

Ziel der in diesen Tagen eingebrachten Anträgen/Anfragen in den Gemeindeparlamenten ist, durch gleichgerichtete Beschlüsse oder Resolutionen den damaligen Forderungen erneut Gewicht zu verleihen. Der südliche, berlinnahe Siedlungsraum unseres Landkreises hat sich in den letzten 20 Jahren stark verdichtet und es ist anzunehmen, dass die Entwicklung noch nicht zum Ende gekommen ist. Allein im Umkreis von fünf Kilometern des Bahnhofes Birkenwerder leben schon jetzt rund 54.000 Menschen. Im gesamten südlichen Oberhavel sind es etwa 135.000. Der Beschluss von 2011 forderte folgerichtig für diesen Siedlungsraum einen ordentlichen Regionalbahnhalt. Beim Bau der neuen Straßenbrücke am Bahnhof Birkenwerder wurde der erwartete Regionalbahnsteig schon berücksichtigt.

Vorausschauende Planung angemahnt

Eine vorausschauende Planung der Regionalbahnanbindungen würde hier Abhilfe schaffen. In den Landesverkehrsplänen der Länder Berlin und Brandenburg findet man bezüglich der speziellen Bedarfe für Oberhavel freilich fast nichts. Zwar erhält der Flughafen einen sechsgleisigen unterirdischen Bahnhof. Bisher ist für den SPNV aber lediglich eine umständliche S-Bahnanbindung und später schrittweise auch geringer Regionalverkehr vorgesehen. Die Bahn wird damit nicht die Masse der Flughafenkunden locken. Das Zentrum Berlins kann nur über die sogenannte Dresdener Bahn attraktiv verbunden werden. Das ist zwar hier nicht unser Primärthema, aber es hängt indirekt doch zusammen, nämlich mit dem noch nicht vollständig umgesetzten Bundesverkehrswegeplan von 1992, der als einen Ausbaupunkt den „Knoten Berlin“ angibt.

Viel ist in dem Kontext “Knoten Berlin“ geschafft worden, aber nichts auf dem Gebiet des Landkreises Oberhavel, denn die bei der Kurzanbindung  auf der sogenannten Nordbahn (Schönholz – Hermsdorf -Birkenwerder) tut sich wenig oder gar nichts. Der Landkreis und das Land Brandenburg müssen hier aktiv werden. Auf der Strecke Berlin-Oranienburg-Rostock wurde und wird viel erreicht, aber das letzte Ende bis zum Berliner Zentrum bzw. zum neuen Willy-Brandt-Flughafen hat noch große Mängel.

Dabei sind für den Wiederherstellungsausbau die Ziele des Landkreises mit geringen Mitteln erreichbar. Selbst ohne die Flughafenthematik wären sie wegen des Qualitätsgewinns sinnvoll. Der Landkreis Barnim hat mit der direkten Verbindung Bernau-Gesundbrunnen, anstelle der Verbindung über Hohenschönhausen-Lichtenberg, bereits eine Zeitersparnis von rund 35 Minuten geschafft.

Dr. Ulrich Strempel