Ricardo Liesig
Ricardo Liesig auf den Spuren virtueller Ungeheuer im Taschenformat (Foto: privat)

Dem aufmerksamen Bürger dürfte es nicht entgangen sein – so mancher hat das „Spazieren gehen“ für sich (wieder-)entdeckt, auch in Glienicke! Früher saßen sie vor dem Computer – heute laufen sie von „Pokéstop“ zu „Pokéstop“ und gleich danach weiter, um die nächste „Arena“ zu besetzen. Vor allem aber wollen sie Kilometer machen, um ein „Evoli“ zu fangen oder um das nächste „Ei“ ausbrüten zu lassen. Das kann schon etwas dauern, bis ein Zehn-Kilometer-Ei ausgebrütet ist.
Und kaum war das Spiel veröffentlicht, fand es schon Eingang in die Annalen des Glienicker Wahlkampfs. Hat doch ein selbsternannter „Pokémon-Beauftragter“ der Gemeinde und Bürgermeisterkandidat blitzschnell gehandelt und einen Fotowettbewerb gestartet. Den Preisträgern übrigens auch an dieser Stelle Glückwunsch!

Was ist Pokémon Go! überhaupt?
Dennoch bleibt das Spiel vielen Glienickern noch immer ein Rätsel. Pokémon heißt Nichts anderes als «Pocket Monster» - Taschenungeheuer. Zum ersten Mal tauchten sie 1996 in einem Spiel in Japan auf und davor als Comic-Figuren. Die „Pokémon“ sind darauf versessen, gegeneinander in sogenannten „Arenen“ zu kämpfen. Der Spieler fängt sie als Pokémon-Trainer mit Hilfe weiß-roter Bälle ein und bildet sie aus. Wo bekommt er die weiß-roten Bälle her? Aus den „Pokéstops“ – kleine Stationen, die den „Trainer“ mit allerhand Nützlichem versorgen.
Im Grunde geht es darum, Pokémon zu fangen und dann gegeneinander antreten zu lassen, beispielsweise in der Arena „Rathaus Glienicke“, wo es schon mal sein kann, dass ein kleines „Rattfratz“ vom Team „Rot“ dem „Relaxo“ vom Team „Gelb“ den Standort streitig machen möchte.
Der Clou ist jedoch die Standort-Erkennung (GPS) auf dem Smartphone. Die „Pokémon“ verstecken sich an verschiedenen Orten - und ein Spieler sieht sie nur, wenn er in der Nähe ist. Dann werden die Ungeheuer auf dem Display des Mobiltelefons in die echte Umgebung eingeblendet – das nennt man dann „Augmented Reality“, erweiterte Wirklichkeit.

Was hat das Alles mit Glienicke zu tun?
Wenn Sie also einen Pokémon-Spieler am Dorfteich sehen – wundern Sie sich nicht, dass er mit dem Kopf nach unten durch die Weltgeschichte rennt. Aber Augen auf: Der Verkehrssicherheit ist diese Körperhaltung ebenso wenig zuträglich wie die Konzentration auf die Scheinwelt seiner virtuellen Kleinstungeheuer. Schließlich hat er nur Eines im Sinn – Glienicke von den vielen Monstern zu befreien.
Beeindrucken könnten Sie ihn mit Sätzen wie „mein Garados hat jetzt über 2.000 EP und bewacht die Kirche.“ Sie werden mit Sicherheit ein Lächeln ernten!

Ricardo Liesig